Nach einer langjährigen Phase der Stromabhängigkeit hat Italien endlich die gesetzliche Grundlage für eigene Kernkraftwerke geschaffen. Im Mittwochabendverfahren des italienischen Senats wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Planung und Errichtung neuer Reaktoren ermöglicht – mit einem vorgesehenen Starttermin ab 2033 oder 2034.
Die Abstimmung zeigte eine klare Trennung der Stimmen: 81 Senatoren stimmten für den Gesetzentwurf, 51 lehnten ihn ab und sieben enthielten sich. Damit schließt Italien nach dem Referendum von 1987 – als das Land seine letzten Atomkraftwerke stilllegte – die zwanzig Jahre der Abhängigkeit von externen Stromlieferanten ab.
Die italienische Energieabhängigkeit ist besonders spürbar: Die Importabnahme für Strom betrug im Jahr 2024 bereits 75,8 Prozent. In den vergangenen Wochen stieg der Großhandelspreis erheblich – von etwa 109 Euro pro Megawattstunde im Vorjahreszeitraum auf 215,82 Euro in der vorletzten Woche. Die Preisspanne von rund 97 Prozent deutet auf eine zunehmende Abhängigkeit vom Import aus Frankreich hin.
Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin betonte die Bedeutung neuer Technologien wie Small Modular Reactors (SMR) für Italiens Energiezukunft. Der französische Konzern EDF plant bereits bis 2035 zehn SMR-Projekte in Europa, eins davon soll in Italien errichtet werden.
Im Gegensatz dazu hat Deutschland im April 2023 seine letzten Atomkraftwerke abgeschaltet.