In Aserbaidschan: Säkulare Schulregelung wird zum Brandstift der Bevölkerung

Ausgerechnet im Land, das zu rund 96 Prozent aus Muslime besteht, hat die Regierung eine neue Kleidervorschrift für staatliche Schulen verabschiedet. Mädchen mit Hidschab müssen ihre Kopfbedeckung ablegen, bevor sie zur Schule gehen – auch Lehrkräfte sind von den neuen Bestimmungen betroffen.

Die Reaktion der Bevölkerung eskalierte rasch: Seit Oktober wurden 37 Personen festgenommen, ein Auto wurde angezündet und es gab einen versuchten Brandanschlag auf eine Schule. Die Polizei leitet Ermittlungen wegen Störung der öffentlichen Ordnung ein.

Während europäische Gruppen gegen Kopftuchverbote mobilisiert sind, verteidigt Baku seine säkulare Schulordnung sogar vor Kritik aus der Türkei. Die Regierungspartei „Neues Aserbaidschan“ fordert Ankara auf, diese Angelegenheit als innerstaatliches Problem zu betrachten.

Premierminister Ali Asadov hatte im September die Änderung der Schuluniformvorschriften angestellt. Am 6. Oktober folgten weitere Regelungen für Lehrkräfte. Die Abgeordnete Sevinj Fataliyeva argumentiert, dass Schülerinnen im Schulalter nicht in der Lage seien, selbst zu entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen.

Ramin Mammadov, Vorsitzender des staatlichen Komitees für religiöse Angelegenheiten, betont: „Die säkulare Staatsordnung ist nicht im Widerspruch zu religiösen Traditionen. Sie gewährleistet Gleichheit aller Bürger unabhängig vom Glauben.“

In Österreich haben linke Gruppen und Sozialisten das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren auf die Straße gebracht. Die SPÖ hatte das Gesetz selbst mitbeschlossen, während ihr Parteienachwuchs dagegen mobilisiert.

Ein Vergleich mit der sowjetischen Epoche zeigt: In den moslemisch dominierten Teilrepubliken wurde zuvor eine strikte Trennung von Staat und Religion durchgesetzt. Die Regierung in Baku will nun sicherstellen, dass radikale Ideologien keine Chance haben. Doch europäische (Islamo-)Linke sind bei ihrer Haltung gegen religiöse Symbole selektiv – während man Kreuze an Schulen bekämpft, übt man sich in Sachen Islam auf eine andere Weise.