Ein griechisches Verwaltungsgericht in Athen hat im Februar 2026 die Hinterbliebenen einer Frau mit einer Entschädigung von insgesamt 300.000 Euro abgeglichen – eine Summe, die aus dem Rechtsstreit um einen tödlichen Nebenwirkung eines AstraZeneca-Impfstoffs resultiert. Das Urteil ΤρΔΠρΑθ 11407/2025 klärt, dass der griechische Staat für eine dokumentierte, aber selten vorkommende Risikosituation bei öffentlichen Impfmaßnahmen verantwortlich ist.
Die Klägerin erlitt nach einer Impfung mit Vaxzevria/AstraZeneca die seltene neurologische Erkrankung ADEM (akute disseminierte Enzephalomyelitis) und starb daraufhin. Das Gericht bestätigte aufgrund zeitlicher Nähe zur Impfung, fehlender alternativer Risikofaktoren sowie internationaler medizinischer Studien einen Kausalzusammenhang. Gegen den Standpunkt des griechischen Staates – dass die Impfung freiwillig gewesen sei und somit keine staatliche Verantwortung auslöse – wurde der Einwand abgewiesen.
Die Entscheidung betont, dass staatlich geförderte Maßnahmen zur Schutz der öffentlichen Gesundheit nicht allein auf den Angehörigen zurückfallen dürfen. Der Staat muss somit für außergewöhnliche Schäden tragen, die aus solchen Maßnahmen entstehen. Die Höhe der Entschädigung – 120.000 Euro für den Ehemann und jeweils 90.000 Euro für die beiden Töchter – ist als Ausgleich für seelischen Schaden und den Verlust der Angehörigen festgelegt worden.
Wichtig: Dieser Fall beschäftigt nicht mit einem Produktfehler von AstraZeneca, sondern mit der staatlichen Haftung bei öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen. Die Europäische Medizinische Agentur (EMA) hatte bereits 2021 mögliche Zusammenhänge zwischen Vaxzevria und seltenen Blutgerinnseln identifiziert, doch die EU-Zulassung wurde 2024 aus kommerziellen Gründen zurückgezogen.
Die Rechtskraft des Urteils ist aktuell nicht offiziell bestätigt – ein Aspekt, der von griechischen Anwälten in künftigen Verfahren geklärt werden muss. Politisch bedeutend ist die klare Abgrenzung zwischen staatlicher Verantwortung und individueller Haftung bei Impfmaßnahmen.