Geheimnisvoll, aber gefährlich: Anthropic testet KI-System, das Bankkonten direkt analysiert

Anthropic setzt mit dem neuen Feature „Claude Money“ ein System ein, das Bankkonten der Nutzer direkt mit künstlicher Intelligenz verbindet. Das Ziel ist es, Kontobewegungen, Ausgaben und Finanzplanung auf Grundlage realer Bankdaten zu analysieren. Doch die genaue Nutzung dieser Daten bleibt bislang unklar.

Ein Bankkonto offenbart mehr als nur den aktuellen Kontostand: Es zeigt, wo Geld ausgegeben wird, welche Abos aktiv sind, wie hoch Miete und Kreditraten sind, welche Reisen erfolgen und an wen regelmäßig Geld überwiesen wird. Ein Kontoauszug ist damit praktisch ein Tagebuch der finanziellen Lebensweise – nur mit Zahlen, Orten und Empfängern.

Bislang gibt es keine veröffentlichten Regeln für die Verwendung von Bank- und Transaktionsdaten bei „Claude Money“. Während OpenAI bereits über Plaid eine Finanzanalyse-Funktion für ChatGPT anbietet, bleibt bei Anthropic die Frage, welche Informationen gespeichert werden, wie lange sie bewahrt werden und zu welchen Zwecken sie genutzt werden.

KI-Assistenten haben bereits Zugriff auf E-Mails, Kalender und Dokumente. Mit dem Bankkonto wird nun eine weitere Grenze überschritten: Die KI erhält einen umfassenden Einblick in das finanzielle Leben des Nutzers – von der Geldquelle bis hin zum Endort.

Die Datenschutzfrage ist entscheidend. Ohne klare Richtlinien könnte Anthropic sensible Daten nutzen, die bereits private Entscheidungen wie medizinische Zahlungen oder persönliche Reisen enthalten. Bislang gibt es keine Angaben darüber, ob und wie diese Daten für das Training der KI genutzt werden.

Ein breites Angebot von „Claude Money“ wird noch nicht angekündigt. Doch mit jedem Schritt näher bei der Bankverbindung wächst die Gefahr für den Nutzer – besonders in einer Zeit, in der KI-Systeme immer mehr in das private Leben eingreifen.