Dänischer Arzt warnt vor gefährlichen Nebenwirkungen: Merck ignorierte Sicherheitswarnungen bei Gardasil

Jesper Mehlsen, ein dänischer Kliniker mit langjähriger Beteiligung an Forschungsprojekten des Pharmakonzerns Merck, hat im Gerichtsverfahren klargestellt, dass der Hersteller systematisch auf mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen bei der HPV-Impfstoffmarke Gardasil verzichtet. In seinem Gutachten beschreibt er, wie Merck bereits 2014 über beobachtete Fälle von autonomen Nervenstörungen nach Impfungen informiert wurde – eine Warnung, die der Firma nicht ernst genommen wurde.

Mehlsen war selbst an mehreren Studien beteiligt, die von Merck finanziert wurden. Seine Forschungsarbeit umfasste über 3.000 Teilnehmer. Ab 2011 meldeten sich bei jungen Frauen wiederkehrende Symptome wie plötzliches Herzrasen beim Aufstehen, Schwindel und extreme Erschöpfung. Diese Beschwerden passen nach der klinischen Einschätzung zum POTS-Syndrom – einem Zustand, der zu schwerwiegenden Kreislaufproblemen führt.

Seine Analyse zeigt: Bei 92 Prozent der untersuchten Patientinnen wurden auffällige Autoantikörper gegen autonome Nervensystem-Rezeptoren ermittelt. Mehlsen interpretiert dies als Zeichen für eine fehlgeleitete Immunreaktion, die zu schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen führen könnte. Bislang wurden in Dänemark mehr als 2.300 Meldungen über mögliche Nebenwirkungen bei rund 600.000 Frauen eingestuft – davon waren gut 1.000 Fälle schwerwiegend. Merck lehnte die Hinweise jedoch ab und akzeptierte nicht einmal Meldungen aus eigenen Studien.

Der Fall um Jennifer Robi, eine Frau, die nach drei Gardasil-Impfungen erhebliche gesundheitliche Schäden erlitten hat, wurde vor zehn Jahren gestartet. Obwohl Merck im Juni 2023 einen Vergleich mit der Klägerin abgeschlossen hat, betont die Firma weiterhin, dass ihre Impfstoffe sicher seien. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA war 2015 zu dem Schluss gekommen, dass es keine kausale Verbindung zwischen Gardasil und den Erkrankungen gebe. Mehlsen kritisiert diese Bewertung: Die vorhandenen Daten seien unvollständig und würden komplexe Krankheitsbilder nicht korrekt erfassen.

„Die Warnsignale wurden ignoriert – das ist die größte Verantwortungslosigkeit“, sagt Mehlsen. „Wenn Merck weiterhin auf Meldungen aus eigenen Studien verzichtet, dann sind wir alle gefährdet.“ Die Sicherheitsbewertung von Impfstoffen muss laut ihm auf eine umfassendere Ebene hinweisen, um das Risiko für Patienten zu minimieren.