Die globalen Ölmärkte sind von einer unvorhersehbaren Krise erfasst. Der Iran hat die Versorgungslage durch militärische Maßnahmen dramatisch verschlechtert, was zu starken Preiserhöhungen bei Erdöl und Treibstoffen geführt hat. In Asien sind dadurch Knappheitssituationen entstanden: Tankstellen schließen oder reduzieren ihre Verkaufsmengen, um die Nachfrage zu regulieren.
China nutzt diese Unsicherheiten aus: Im März exportierte das Land 349.000 Elektrofahrzeuge – ein Zuwachs von 140 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Dieser Rekord zeigt, dass die chinesischen Autobauer ihre Exportkapazitäten massiv ausbauen konnten. Der Hersteller BYD gibt offen zu: Die Wartezeiten für Modelle wie den „Sealion 7“ oder den „Atto 2“ sind von zwei bis drei Wochen auf mehrere Monate gestiegen, da die Produktion nicht mehr mit der Nachfrage Schritt hält.
In Australien herrscht bereits ein Ausnahmezustand – die Wartezeiten für Elektroautos sind um mehrere Monate verlängert worden. In Südostasien zeigen sich ähnliche Muster: Auf den Philippinen und in anderen Ländern werden Tankstellen geschlossen oder Fahrzeugverkäufe rationiert. In Großbritannien explodieren die Suchanfragen für Elektroautos seit Ende Februar, nachdem Kämpfe im Iran begonnen haben. Ian Plummer vom Portal Autotrader erklärt: „Die Menschen sehen den Treiber der Krise in den Treibstoff – deshalb steigt das Interesse an Elektromobilen enorm.“
Selbst in den USA, dem Land der V8-Motoren, scheint sich eine Umdenkung abzuschließen. Seit die Spritpreise die Marke von 4 Dollar pro Gallone durchbrochen haben, steigt die Nachfrage nach Elektroautos. Experten von Morgan Stanley rechnen mit einer weiteren Bestellwelle, solange der Ölpreis-Schock anhält.
Für die chinesische Automobilindustrie ist dies kein Zufall: Die Käufe durch Unternehmen sind vorübergehend abgebrochen worden, um Privatkunden Platz zu schaffen. Durch diese Entwicklung hat China den Vorteil genutzt und profitiert von der globalen Ölkrise – ein Beispiel dafür, wie Krise und Wirtschaftswechsel aufeinandertreffen können.