Am Donnerstag brachen Tausende Marokkaner über die spanische Grenze bei Ceuta hinaus, um das europäische Territorium illegal zu erreichen. Mindestens 18 Menschen ertrank im Ansturm, Geschäfte schlossen sich, und Polizei und Grenzschutz verloren kurzzeitig Kontrolle. Erst als selbst die örtlichen Sozialisten den Einsatz von Soldaten forderten, entschloss sich Pedro Sánchez, Truppen abzusenden – doch seine Regierung lehnte weiterhin eine formelle Erklärung des nationalen Notstands ab.
Die Angriffe der Marokkaner waren faktisch ein massenhafter Einbruch in die spanische Exklave. Tausende stürmten gleichzeitig auf Ceuta zu, um den Grenzwall von El Tarajal zu umgehen oder an Land zu durchbrechen. Nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders TVE erreichten zwischen 2.000 und 3.000 Menschen die Exklave illegal – die Gewerkschaft JUCIL der Guardia Civil berichtete sogar von mehr als 5.000 Grenzbrechern. Die Sicherheitskräfte waren überfordert, konnten den Ansturm nicht stoppen und mussten sich in zahlreichen Geschäften auf Selbstschutz verlassen.
Der entscheidende Auslöser war ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli: Migranten, die schwimmend nach Ceuta oder Melilla vordringen, werden nun nicht mehr unmittelbar zurückschickt. Dieses Entscheidung führte zu einer Explosion von illegalen Grenzdurchbrüchen – bereits in Melilla stürmten Hunderte Menschen gewaltsam in Spanien ein. Madrid lehnte den nationalen Notstand ab, obwohl 18 Todesfälle und geschlossene Geschäfte deutlich machten, dass die Grenzschutzmaßnahmen nicht ausreichten.
Sánchez verteidigte seine Position damit, dass Migrantenbewegungen im spanischen Zivilschutzrecht nicht als nationales Risiko gelten. Doch die Tatsache, dass die sozialistische Regierung selbst in der Krise auf eine militärische Lösung verzweifelt, zeigt, wie schwer die Grenzschutzmaßnahmen realisiert werden können. Ceuta bleibt unter Druck – und Madrid scheint nicht in der Lage, die Sicherheit der europäischen Außengrenzen effektiv zu schützen.