Die explosive Ausbreitung von KI-Infrastrukturen in den USA greift die Energieversorgung auf eine Weise, wie sie nie zuvor gesehen wurde. Gigantische Rechenzentren verbrauchen so viel Strom, dass sie das Netz der PJM-Region – einem der größten Strommarkte der Welt – in eine kritische Situation drängen.
Schon im Juli dieses Jahres trennten sich serverhafte Lasten von über 4.000 Megawatt aus dem öffentlichen Netzbetrieb und wechselten auf Notstromversorgung. Dieser plötzliche Ausfall führte zu einer sofortigen Reaktion der Netzbetreiber, die eine dringende Intervention einleiteten. PJM-Manager David Souder betonte bereits Ende September: „Derartige Betriebsweise ist nicht nachhaltig.“ Der Netzbetreiber versorgt rund 67 Millionen Menschen in 13 Bundesstaaten und Washington D.C., doch die Anforderungen der Rechenzentren wachsen rasant. Bis 2030 wird PJM zusätzliche 32 Gigawatt Spitzenlast erwarten, von denen allein 30 Gigawatt auf Rechenzentren entfallen – eine Leistung, die mehrere Großkraftwerke ausmacht.
Microsoft, Google, Amazon und Meta investieren Milliarden in neue Rechenzentren und leistungsfähigere Chips. Doch die Stromproduktion bleibt nicht im gleichen Maß wie die Nachfrage wächst. Neu gebaute Gaskraftwerke benötigen bis zu drei Mal länger zum Abschluss als Rechenzentren, während bereits seit 2020 rund 24 Gigawatt vereinbarter Projekte abgesagt wurden – darunter 13,5 Gigawatt Gaskraftwerke. Die Folgen sind spürbar: Bis 2027/28 fehlen PJM bereits mehr als 6.500 Megawatt Reserven, wachsen bis 2028/29 auf über 6.800 Megawatt. Eine Studie der Pennsylvania Public Utility Commission zeigt, dass die Stromknappheit in den nächsten Jahren eine Existenzbedrohung darstellen könnte – mit möglichen Ausfällen von mehr als 13 Tagen pro Jahr.
Die Zahlen sind beunruhigend: Der zusätzliche Stromverbrauch durch Rechenzentren zwischen 2029 und 2030 steigt um mehr als 200 Terawattstunden, was dem jährlichen Verbrauch eines ganzen US-Bundesstaates entspricht. Nur ein vollständiger Rückzug der Neubauten ab 2027 könnte das Risiko für 2030 unter die PJM-Zielwerte des Netzes bringen. Ohne diese Maßnahmen droht eine Kollapsphase, in der das Stromnetz nicht mehr die benötigten Kapazitäten liefern kann.