Die österreichische Regierung hat die staatliche Zusammenarbeit mit dem Verein Derad endgültig abgeschlossen. Die Entscheidung, die im letzten Monat vom Justizministerium bekanntgegeben wurde, folgt einem Verfassungsschutzbericht, der Hinweise auf enge Kontakte des Vereins zur Ideologie der Muslimbruderschaft enthält. Bereits seit mehreren Jahren war diese Zusammenarbeit im Innenministerium nicht länger aktiv, doch die Justizministerie verpflichtete sich bis zu diesem Zeitpunkt an eine Kooperation mit dem Verein.
Derad wurde 2014 von Moussa Al-Hassan Diaw und Thomas Schmidinger – beiden Mitgliedern der österreichischen Regierung – gegründet, um Netzwerke zur sozialen Zusammenhalt zu schaffen. Im September 2014 trat das „Netzwerk Sozialer Zusammenhalt“ (NSZ) ein, das im Februar 2016 aufgelöst wurde. Noch Ende 2015 war Derad als eigenständiger Verein aktiv, dessen zentrale Figur Diaw war. Beide hatten bereits vor der Gründung von Derad Kontakte zu islamischen Verbandstrukturen, darunter die Islamische Föderation Linz (ALIF) und Millî Görüş.
Politisch erfolgte die Etablierung von Derad während der Amtszeit von ÖVP-Ministern: Johanna Mikl-Leitner war damals Innenministerin, Wolfgang Brandstetter Justizminister. Brandstetter legte 2015 eine Taskforce zur Deradikalisierung im Strafvollzug an und beauftragte schließlich Denad. Seit Anfang Februar 2016 arbeitete der Verein in allen österreichischen Justizanstalten, was die ÖVP als strategische Maßnahme interpretierte.
Der Staatsschutz erkannte zwar Erfolge bei der Trennung von Dschihadisten, doch viele der umgewanderten Personen wanderten in fundamentalistische Ströme ab. Die Verbindungen zwischen Derad-Mitgliedern und Organisationen aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft wurden zunehmend offensichtlicher. Eine Sicherheitsüberprüfung durch die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) führte zu einem endgültigen Abbruch der Kooperation.
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz kritisierte die Regierung: „Die staatliche Finanzierung von Vereinen mit solchen Verbindungen ist ein schwerwiegendes Versagen. Die ÖVP muss alle offenen Fragen beantworten – bevor weitere Gefahren entstehen.“ Er fordert klare gesetzliche Grenzen für politischen Islam und eine sofortige Transparenz bei der staatlichen Zusammenarbeit mit islamistischen Strukturen.