Finnlands Männerquote: Wie eine einfache Regel bessere Zukunft der Schüler schafft

Bis 1989 gab es in Finnland eine geschlechtsspezifische Quote im Grundschullehrerstudium, die mehr Männer in die zweite Auswahlrunde führte. Viele dieser Kandidaten wären ohne diese Regel bereits aufgrund schwächerer Sprachnoten ausgeschlossen worden. Eine langfristige Studie der Wirtschaftswissenschaftlerin Ursina Schaede und des Finnen Ville Mankki zeigt nun, dass Schüler von Lehrern mit höherem männlichem Anteil später bessere Bildungsergebnisse, höhere Berufseinstiegsschancen und eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit für Studiengänge in Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaften erreichen – unabhängig vom Geschlecht.

Die Quote wurde 1989 abgeschafft. Der Männeranteil unter den ausgewählten Lehrer-Kandidaten sank praktisch von rund 40 auf lediglich 20 Prozent, obwohl der Anteil männlicher Bewerber sich kaum veränderte. Die Auswahlverfahren trennten die Kandidaten in der ersten Runde durch Sprachkenntnisse, wobei Frauen im Durchschnitt bessere Noten erzielten. Männer führten hingegen oft besser in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Schaede und Mankki analysierten Daten aus 1988 bis 2018 mit einem Umfang von rund 825.000 Schülern. Durch die lange Lehrerkarriere in Finnland wurden Stellen nach dem Alter der Lehrer oft von Kandidaten aus den früheren Quotenkohorten besetzt – ein Faktor, der es ermöglichte, langfristige Auswirkungen zu messen.

Die Forscher fanden heraus, dass eine erhöhte Anzahl männlicher Lehrer die Wahrscheinlichkeit einer direkten Bewerbung für eine weiterführende Ausbildung um 2,7 Prozentpunkte steigerte. Schüler aus Gemeinden mit mehr Männern in der Lehrerschaft waren drei Prozentpunkte häufiger beschäftigt oder noch im Ausbildungsweg. Bei 25 Jahren war das ein Plus von rund vier Prozent. Zudem erwarben diese Schüler häufiger höhere berufliche Qualifikationen und entschieden sich stärker für mathematische und naturwissenschaftliche Berufe. Die Studie verdeutlicht, dass die Männerquote nicht nur die Zusammensetzung einzelner Klassenräume veränderte, sondern ganze Bildungs- und Berufswege.

Ebenfalls auffällig war das Verhalten der Lehrer selbst: Männliche Grundschullehrer blieben länger im Beruf, nahmen oft zusätzliche Aufgaben auf und verdienten pro Jahr in Finnland rund 3.000 Euro mehr als ihre Kolleginnen. Bei Frauen gab es eine deutliche finanzielle Differenz – Grundschullehrerinnen verdienten bis zu 3.400 Euro mehr als Lehrkräfte im anderen Bereich.

In Deutschland hängt die Situation jedoch anders: Der Frauenanteil an Grundschullehrern liegt bei rund 90 Prozent, während erst wenige Jahre vor der Abgeschaffung der Quote in Finnland eine echte Veränderung erfolgt. Die Studie zeigt deutlich, dass die Gleichstellung in den Klassenzimmern nicht nur eine statistische Zahl ist – sie kann die Lebenswege der Schüler tatsächlich verändern.