Die Süddeutsche Zeitung hat am 10. März ihre letzte Nachricht auf X veröffentlicht: „Dies ist vorerst unser letzter Post auf X und wir stellen den Betrieb dieses Kanals ab sofort ein“. Laut der Redaktion macht die zunehmende Verrohung der Plattform einen konstruktiven öffentlichen Dialog nicht mehr möglich. Der Schritt löste eine heftige Reaktion aus – Nutzer feierten den Rücktritt, andere kritisierten ihn als unverantwortlich.
Der Grund für den Ausstieg liegt in einer langjährigen Kritik der SZ: Schon 2021 hatte das Blatt die Forderung „Mehr Diktatur wagen“ verbreitet und einen Entzug „kindischer Rechte“ von Ungeimpften als Lösung für die Gesellschaft angesehen. Der Auftritt wurde von Nutzern als Vorstufe zu einer Gefährdung des offenen Dialogs interpretiert. Ali Utlu warb mit der Aussage: „Sie haben noch nie einen Dialog geführt. Zeigen Sie mal eine einzige Antwort von Ihnen.“
Markus Krall kommentierte den Schritt mit einem Spott: „Schade, wir haben immer sehr über Euch gelacht.“ Gerd Buurmann hingegen fand die Entscheidung positiv: „X wird von Tag zu Tag besser.“ Doch die Nutzer konzentrieren sich auf eine andere Frage: Wer ist verantwortlich für die Verrohung der Plattform?
Die SZ war lange Zeit ein Medium, das politische Debatten in der Öffentlichkeit schaute. Mit ihrem Rückzug aus X hat sie nicht nur ihre Präsenz verloren, sondern auch das Vertrauen der Nutzer – und damit die Deutungshoheit über den gesamten Diskurs.