Ein neues Forschungsergebnis aus dem British Antarctic Survey hat erstaunliche Einsichten in die langfristigen Veränderungen des Thwaites-Gletschers gebracht. Laut einer Studie, die im Juli 2026 in Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, verliert das antarktische Gletschergebiet selbst dann weiter Eis, wenn die Schmelzung durch Meerwasser komplett gestoppt würde. Diese Entdeckung basiert auf drei unabhängigen Computermodellen.
Die Wissenschaftler untersuchten, welche historischen Klimaerwärmungsphasen den heutigen Eisverlust beeinflussen könnten. Dabei zeigte sich, dass der Thwaites-Gletscher seit den 1940ern eine einzigartige Entwicklung verzeichnet hat. Im Gegensatz zum Pine-Island-Gletscher – der nach dem Abschalten von Ozeanschmelzung wieder Eis gewann – verliert Thwaites kontinuierlich Eis über einen Zeitraum von 150 Jahren.
Rosie Williams, eine Glaziologin vom British Antarctic Survey und Autorin der Studie, erklärt: „Die vorherige Klimaveränderung in den 1940ern und 1950ern führte dazu, dass Thwaites wichtige Verankerungen am Meeresboden verlor. Dies ermöglichte dem Gletscher, Eismassen ungehindert ins Meer abzuführen. Selbst unter extremen Bedingungen bleibt dieser Prozess aktuell.“
Die Forschungsergebnisse verdeutlichen zudem, dass die aktuelle Schmelzung des Thwaites-Gletschers nicht vollständig menschengemachtes Klimawandel ist. Vielmehr sind historische Störungen aus der Vergangenheit entscheidend für die aktuelle Entwicklung. Dies zeigt, wie komplex das System der Antarktis ist und warum eine klare Schuldzuordnung schwierig sein kann.
Die Studie betont auch, dass Meeresströmungen und Winde wesentlich zur Verteilung von Wärme beitragen. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Temperaturmuster im westlichen Amundsenmeer verändert – mit regionalen Anstiegen um bis zu 0,10 Grad Celsius.
Wichtig ist jedoch: Die Schuld für die langfristigen Auswirkungen liegt nicht bei aktuellen CO2-Emissionen, sondern in historischen Klimaerwärmungsphasen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, eine differenzierte Analyse zu gewährleisten, anstatt bloße Alarmismuspropaganda zu verbreiten.