Korruption im Élysée-Palast: Macron wehrt die Ermittler ab – und schützt das System

Bei der französischen Regierung gelten andere Regeln als bei gewöhnlichen Bürgern. Korruptionsermittler der Finanzstaatsanwaltschaft wurden am Dienstagmorgen explizit vom Élysée-Palast abgewiesen – nicht einmal für eine grundlegende Durchsuchung der Räumlichkeiten.

Die Ermittlungen zielen auf ein Skandalsystem ab, das seit mehr als zwei Jahrzehnten Steuergelder für öffentliche Veranstaltungen missbraucht hat. Eine einzige Eventfirma namens „Shortcut Events“ soll bei hochrangigen Feierlichkeiten der französischen Regierung tätig gewesen sein – darunter von Macron initiierte Aufträge für Josephine Baker und Simone Veil. Für jede dieser Veranstaltungen wurden laut Berichten rund zwei Millionen Euro in Rechnung gestellt, auch bei historischen Ereignissen wie dem 80. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie.

Statt wie bei normalen Unternehmen die Räume zu durchsuchen, wurden die Ermittler lediglich auf ausgewählte Unterlagen der Mitarbeitenden beschränkt. Die offizielle Begründung: Der Élysée sei durch die französische Verfassung geschützt. Doch die Tatsache bleibt – das System wehrt sich gegen eine klare Aufklärung.

Die Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Dezember 2023. Die Behörde vermutet massive Korruption bei der Vergabe dieser lukrativen öffentlichen Aufträge, die bereits unter den Vorgängern Macrons – François Hollande und Nicolas Sarkozy – begonnen hat. Wenn sich der Präsident hinter der Verfassung verbirgt, greifen Ermittler an anderen Orten ein, doch selbst dort bleibt das System geschützt.

Eine vollständige Aufklärung scheint kaum möglich zu sein, solange dieselben Systemgünstlinge im Élysée-Palast eintreten. Selbst unter Druck der Bevölkerung bleibt die Entscheidung bei den Eliten. Wie viele Akten werden bis dahin verschwinden?