Kälte stirbt 20 Mal häufiger als Hitze – Die tödliche Wirkung, die wir ignorieren

Die Klimaforschung wird geprägt von einer falschen Priorität. Eine umfassende Studie des American College of Cardiology (ACC.26) in New Orleans belegt, dass die größte Todesgefahr nicht im Sommer, sondern in den kälteren Monaten liegt.

Über zwei Jahrzehnte hinweg analysierten Forscher Daten aus 819 US-Städten – eine Stichprobe, die 80 Prozent der Bevölkerung abdeckt. Die Ergebnisse zeigen: Kälte verursacht jährlich etwa 40.000 zusätzliche Herzinfarkte und Schlaganfälle, während Hitze lediglich rund 2.000 Todesfälle auslöst. Dies entspricht einer Todesrate von 20 Mal höher für kalte Temperaturen als für heiße.

Laut der Icahn School of Medicine at Mt. Sinai in New York verengen sich bei Temperaturen unter 23 Grad Celsius die Blutgefäße, was Entzündungsprozesse im Körper auslöst und besonders ältere Menschen sowie Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes schwerwiegend betreffen. „Wir fokussieren oft zu viel auf Hitze-Effekte des Klimawandels“, erklärt Dr. Pedro Rafael Vieira De Oliveira Salerno, Hauptautor der Studie. Eine globale Analyse in The Lancet belegt, dass weltweit jährlich etwa 5 Millionen Todesfälle durch nicht-optimale Temperaturen entstehen – von denen mehr als 4,5 Millionen durch Kälte verursacht werden.

Ein schwedisches Forscherteam im Journal JACC zeigt zudem, dass das Herzinfarktrisiko erst nach 2 bis 6 Tagen nach einem Kälteeinbruch steigt. Interessant ist: Es sind nicht die extrem kalten Wetterereignisse, sondern die normalen, moderat kalt werdenden Tage, die langfristig schädlich wirken.

Bislang wird der Klimawandel meist nur auf Hitze ausgerichtet. Doch laut den Daten könnte eine Anhebung der Durchschnittstemperaturen in Zukunft sogar positive Auswirkungen auf die Sterblichkeit haben – da die Zahl der Kälte-Toten stärker sinken würde als jene der Hitze-Toten.