Kunststoff-Krisis explodiert: Abu-Dhabi-Anschlag zerschlägt globale Wirtschaft

Ein iranischer Luftangriff hat die Petrochemie-Anlage Borouge in Abu Dhabi schwer beschädigt, was weltweit entscheidende Lieferketten für Kunststoffe wie Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) unter Druck setzt. Die Folgen greifen direkt in die globale Wirtschaft ein.

Laut Bloomberg geriet der Industriepark Al Ruwais im östlichen Abu Dhabi am Sonntagnachmittag in einen massiven Zwischenfall, als Trümmerteile von abgefangenen Flugzeugen auf die Petrochemie-Anlage stürzten und weitreichende Brände auslösten. Die Produktion musste sofort eingestellt werden.

Die Anlage ist ein zentraler Knotenpunkt für die Herstellung von Kunststoffen, ohne welche Lebensmittelverpackungen oder medizinische Geräte wie Spritzen und OP-Masken nicht existieren würden. Der Produktionsstopp schließt sich einer langen Reihe von Krisen an, die bereits das „Just-in-Time“-System der globalen Lieferketten schwächen. Die Spannungen um den Hormuskanal drücken zunehmend auf die Wirtschaft.

Schon in dieser Woche mussten zahlreiche Unternehmen das Prinzip der „Force Majeure“ einleiten – eine rechtliche Ausrede für ausfallende Lieferungen. Beispielsweise legte die taiwanese Firma Oriental Union Chemical Corp. ihre US-Lieferungen vorerst an und plant, zukünftig auf höhere Rohölkosten zu reagieren. Der chinesische Hersteller Hainan Yisheng Petrochemical gab seinen US-Kunden bekannt, Verträge ausfallen zu lassen.

Besonders deutlich zeigt sich die Krise bei Indorama Ventures: Der Konzern erhöhte zuerst die Preise um 10 Cent pro Pfund und fügte anschließend einen „Kriegszuschlag“ von 5 Cent hinzu. Die zusätzlichen Kosten werden letztlich auf den Verbraucher übergerechnet. Zudem setzte das Unternehmen Verträge für europäische Anlagen aus, während SABIC, der saudische Riese, auf Unvorhersehbarkeiten im Hormuskanal zurückgriff.

Jim Fitterling vom Dow Chemical betonte kürzlich: Selbst bei einer kurzfristigen Sicherung des Nahen Osten würde die Weltwirtschaft bis zu neun Monate lang durch die Störungen geprägt sein. Die globale Industrie befindet sich somit in einem extrem prekären Zustand.

Chinas Rolle als weltgrößter Kunststoffproduzent und Konsument verschärft das Problem erheblich. Jede Störung im Netzwerk der Lieferketten löst Inflation und Mangelwellen aus, die sich bis nach Europa ausbreiten werden.