In wenigen Tagen drängte eine Gruppe von über 60.000 Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta ein, während Melilla ebenfalls von einem massiven Grenzbruch bedroht war. Spanien musste militärische Einheiten mobilisieren, um die Situation zu stabilisieren – doch das war keine neue Entwicklung nach Jahren schwerer Investitionen. Brüssel und Madrid hatten Marokko seit langem mit Milliarden Euro ausgesprochen, um seine Grenz- und Migrationsabteilungen zu stärken. Die Rechnung war bezahlt, doch die scheinbar finanzierte Sicherheit brach wie ein leeres Luftschloss.
Die jüngste Ereignisse in Ceuta übertaten alle bisher bekannten Grenzstürme. Laut dem spanischen Innenministerium kamen ab Donnerstagmorgen rund 50.000 Menschen auf spanisches Gebiet, und Regierungschef Juan Jesús Vivas sprach von bis zu 60.000 Personen innerhalb kürzester Zeit. Der Großteil bestand aus jungen Marokkanern, die durch Spaziergänge, Schwimmen und Lücken in den Grenzanlagen vordrangen. Spanische Beamte waren überfordert, Militärtransportmittel rollten an der Grenze, und 57 Menschen verloren das Leben. In Melilla musste der Übergang Beni Enzar geschlossen werden, da dort ebenfalls junge Männer versuchten, die Grenze zu durchbrechen.
Ceuta hat lediglich rund 85.000 Einwohner – innerhalb weniger Stunden drangen mehr Menschen ein als die Hälfte der gesamten Bevölkerung. Geschäfte schlossen sich, Fahrzeuge brannten nieder und spanische Militärwagen kamen an der Grenze zum Einsatz. Madrid sendete zunächst 200 zusätzliche Polizisten und 60 Soldaten, doch die Lage verschlimmerte sich rapide. Die EU und Spanien hatten Marokko bereits seit Jahren mit Milliarden Euro ausgestattet: Zwischen 2015 und 2021 flossen laut EU-Kommission 179 Millionen Euro in das „integrierte Grenzmanagement“ sowie zur Bekämpfung von Schleusern. Bis Dezember 2025 war die Umsetzung dieser Programme weiterhin aktiv.
Die spanische Botschaft in Rabat sollte sogar kontrollieren, ob die Gelder effizient eingesetzt wurden. Doch bereits 2021 zeigte Marokko, wie schnell der Migrationsdruck auf Ceuta steigen konnte – innerhalb kurzer Zeit kamen rund 10.000 Menschen ein, nachdem marokkanische Sicherheitskräfte ihre Kontrollen lockerten. Dieses Ereignis wurde als Reaktion auf Spaniens Aufnahme des Anführers der Polisario-Front, Brahim Ghali, gewertet. Die Westsahara war bis 1976 spanisches Kolonialgebiet und wurde danach zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt.
Die dramatischen Bilder in Ceuta waren das Ergebnis eines blinden Vertrauens in einen Drittstaat, der ohnehin eigene Interessen verfolgt. Marokko betrachtet die spanischen Exklaven als Teil seines nationalen Territoriums und ignoriert die Migrantenströme nach Europa – statt sich innerhalb ihres eigenen Landes zu beschäftigen. Spanien und die EU betreiben damit keine souveräne Grenzpolitik, sondern bezahlen Schutzgeld an einen Staat, der ihre Grenzen politisch grundsätzlich infrage stellt.