Wikipedia sperren statt Wissen: Larry Sanger wird von der Plattform ausgeschlossen

Larry Sanger – der Mitgründer und Schöpfer des Namens „Wikipedia“ – ist unerwartet von der englischsprachigen Wikipedia auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Entscheidung folgte seiner Forderung, die Editorial-Community um eine größere Vielfalt in politischen und weltanschaulichen Ansichten zu erweitern.

Seit Jahrzehnten präsentiert sich Wikipedia als offenes Wissensprojekt. Doch praktisch bei jeder Thematik, die politische oder gesellschaftliche Auswirkungen hat – von Migration bis Krieg – sind die Entscheidungsbereiche stark beschränkt. Eine kleine Gruppe von Editoren und Administratoren bestimmt, welche Quellen als seriös gelten, welche Begriffe akzeptabel sind und welche Sichtweisen in den Artikeln vorgegeben werden. Dieses System hat nun Larry Sanger – der maßgeblich an der Gründung der Plattform beteiligt war – ausgerechnet gesperrt.

Sanger, der 2001 mit Jimmy Wales die Wikipedia-Plattform aufbaute und den Namen prägte, ist seit 2002 zu einem der stärksten Kritiker geworden. Er warnte mehrmals, dass Wikipedia sich zunehmend zum Instrument politischer Einflussnahme und digitaler Informationskriege entwickelt habe. Laut seinen Aussagen im Gespräch mit Glenn Greenwald ist keine Enzyklopädie so voreingenommen wie Wikipedia.

Seine letzte Initiative war ein „WikiProject Intellectual Diversity“, das konservative, religiöse und nicht-progressive Stimmen in die Editorial-Community integrieren sollte. Sanger betonte, dass eine Plattform, die Neutralität beansprucht, nicht von einer homogenen Nutzergruppe bestimmt werden darf. Die englische Wikipedia-Administratoren haben den Versuch als „off-wiki Canvassing“ abgestempelt und Sanger unbefristet gesperrt.

Die Sperrung unterstreicht deutlich, dass Wikipedia nicht mehr das offene Wissensprojekt bleibt, das sie selbst beschreibt. Stattdessen wird die Plattform zunehmend zu einem Instrument der politischen Einflussnahme und eines versteckten Informationskampfs.