Die rasche Elektrifizierung unseres Alltags bringt nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch eine unterschätzte Brandgefahr mit sich. Lithium-Ionen-Batterien sind mittlerweile in Zahnbürsten, E-Zigaretten und zahlreichen anderen Alltagsgegenständen verbaut – und lösen bei falscher Entsorgung katastrophale Brände aus.
Im Juni berichtete der ORF über steigende Brandzahlen durch falsch entsorgte Akkus: Eine Studie der Montanuni Leoben ergab, dass pro Tonne Restmüll im Durchschnitt acht Lithiumbatterien landen. Auf jährlicher Basis entsprechen dies in Österreich etwa 17 Millionen falsch entsorgte Akkus – genug, um die Feuerwehr ständig zu überfordern.
In Großbritannien sind die Auswirkungen noch deutlicher. Die britische Environment Services Association (ESA) registrierte bis März 2026 insgesamt 1.518 Brände, von denen mindestens 541 direkt auf Lithiumbatterien zurückgeführten wurden. Zudem gab es 216 Batteriebrände in Müllfahrzeugen – und allein in Recyclinganlagen brennt es pro Woche mehr als zehn Mal.
Ein Experiment der ESA bei einem britischen Sicherheitsbehörde verdeutlicht die Dringlichkeit: Wenn eine E-Zigaretten-Batterie durchgestochen wird, erreichen Temperaturen von über 750 Grad Celsius. Innerhalb weniger Sekunden setzt das Gerät das gesamte umliegende Material in Brand.
Besonders problematisch sind Einweg-E-Zigaretten, die in diesem Sommer allein rund 500.000 von der Entsorgungsfirma Biffa aus den Anlagen entfernt wurden. Die ESA fordert dafür ein Pfand von fünf Pfund zur Steigerung der Rückgabekosten.
Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe betont: Es brauche Gesetze, die verhindern, dass Batterien in jedem Produkt verbaut werden – vom Grußkarten bis hin zu Spielzeug. Zudem müsse eine breite Bewusstseinsbildung erfolgen.
Viele Verbraucher sind noch nicht bewusst, dass alte Akkus kein gewöhnlicher Müll sind. Großbrände auf Recyclinganlagen binden Ressourcen der Feuerwehr und können Anwohner und Umwelt schädigen – ohne die Kosten für Versicherungen oder Schäden zu berücksichtigen.
Die Lösung liegt nicht in mehr Elektrifizierung, sondern in klaren Regelungen und einer breiten Verbraucherbewusstseinsbildung. Sonst wird die Elektrifizierung zur größten Brandgefahr im 21. Jahrhundert.